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Reform der privaten Altersvorsorge: Streit um Kosten und Effizienz
Die geplante Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge sorgt für kontroverse Diskussionen. Während Banken und Versicherer mehr Spielraum für Produkte und Kosten fordern, warnen Verbraucherschützer vor hohen Gebühren und komplexen Angeboten.
Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz die private Altersvorsorge attraktiver machen und so den Lebensstandard im Alter sichern. Kernpunkte des Entwurfs sind ein neues „renditeorientiertes Altersvorsorgedepot“ ohne Garantien sowie die Möglichkeit, zwischen Garantieprodukten mit 80 oder 100 Prozent Kapitalgarantie zu wählen. Geplant ist zudem eine Grundzulage von 30 Cent pro gespartem Euro, die ab 2029 auf 35 Cent steigen soll. Für Sparer mit Kindern sind höhere Zulagen vorgesehen. Die Förderung soll bis zu einem Sparbetrag von 1.800 Euro gelten.
In einer öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses zeigte sich, dass vor allem der geplante Kostendeckel von 1,5 Prozent für Standardprodukte umstritten ist. Die Deutsche Kreditwirtschaft, der Zusammenschluss der Bankenverbände, sprach sich dafür aus, den Deckel ganz aufzuheben. Man vertraue darauf, dass der Wettbewerb für niedrige Kosten sorge. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hingegen hält den Kostendeckel für zu hoch und fordert stattdessen ein öffentlich-rechtliches Standardprodukt nach schwedischem Vorbild. Berechnungen der Verbraucherzentrale zeigen, dass hohe Kosten die Rendite über lange Laufzeiten deutlich schmälern: Bei einer monatlichen Einzahlung von 130 Euro über 40 Jahre würde ein Standard-Depot mit 1,5 Prozent Kosten nur etwa 79.800 Euro Zuwachs bringen, während ein Produkt mit 0,2 Prozent Kosten auf rund 180.000 Euro käme.
Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft kritisierte, dass Versicherer im Gegensatz zu Banken und Neobrokern das Standardprodukt nicht ohne Beratung vertreiben dürfen. Zudem forderte man, Auszahlungspläne bis zum Alter von 90 Jahren zu ermöglichen, um Versorgungslücken im hohen Alter zu vermeiden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund bemängelte, dass die Reform die private Vorsorge für Kunden teuer, beratungsintensiv und ineffizient mache. Geringverdiener und Alleinerziehende würden besonders benachteiligt.
Wir beraten Sie gerne, wenn es darum geht, wie Sie künftig sinnvoll und kostengünstig für das Alter vorsorgen können.
